Alexandreia

Liebe Freunde

Seit Montag arbeiten wir nun in Alexandreia mit der Organisation „Refugee Support“  (http://www.refugeesupport.eu/our-work-in-alexandreia/ ) zusammen in einem Camp. In dem Camp wohnen ca. 400 Menschen, wovon die Hälfte Kinder sind. Bis ihnen im November kleine Baracken zur Verfügung gestellt wurden, lebten die Bewohner in Zelten. In den Baracken gibt es jedoch keine Elektrizität und die vielköpfigen Familien haben sehr wenig Platz zur Verfügung. Unsere Aufgabe in diesem Camp ist es, zusammen mit einem anderen Volunteer, einen Lehrplan für Englisch- und Deutschunterricht für Erwachsene zu erstellen und den Unterricht Ende der Woche aufzunehmen. Die Dekoration für unsere Klassenzimmer begannen wir gestern mit den hochmotivierten Kindern. 

Nach sieben Monaten Wartezeit können die 7-12 jährigen Kinder des Camps seit heute in die griechischen Schulen. Jedoch nur nachmittags wenn alle griechischen Schüler bereits wieder Zuhause sind. Wie es die Geschwister unter uns selber kennen, wurden viele Tränen vergossen bei den Kleinen die noch nicht mitgehen durften und auch einige Mamas stimmten ein. Aber vor allem wurde beim Einsteigen in den Schulbus viel und freudig gelacht. Da die meisten Anliegen, welche im Verantwortungsbereich der griechischen Behörden liegen, jeweils mit unbestimmter Geschwindigkeit abgewickelt werden, erfreut es die Organisation, vor allem aber die Kinder und Eltern im Camp, dass nun endlich etwas passiert und der langweilige Campalltag für die Kinder eine Struktur erhält. Ausserdem erleichtert es uns insofern, dass wir uns nun ohne schlechtes Gewissen auf die Erwachsenenkurse konzentrieren können. Es freut uns auch ungemein, dass die Kinder in den Schulen von griechischen Anwohnern freudig erwartet wurden, mit Schildern und Ballons. 


Valentino verbringt die Zeit im Campshop und der Boutique, welche nach dem Prinzip der „Dignified Distribution“ funktionieren und welche wir in Camps um Thessaloniki in ihrer Art aufbauen und finanzieren werden. Dies ist eine Massnahme, um den Bewohnern des Camps kleine Konsumentscheidungen zurückzugeben. Sie können anhand eines Punktesystems, das wie ein Guthaben wirkt, Nahrungsmittel und Kleidung „einkaufen“ und bekommen so eine kleine Freiheit zurück, welche einem Geflüchteten der auf Spenden angewiesen ist oft fehlt. Anstatt dass Kleidung und Nahrungsmittel einfach an die Menschen verteilt werden, können die Bewohner so ein stückweit ihre Selbstbestimmung zurückerlangen.

Im Zusammenhang mit der griechischen Effizienz mussten wir auch heute wieder erfahren, dass heute meistens morgen oder übermorgen bedeutet. Wir erwarteten heute ca. 100 junge Männer aus Syrien, die ins Camp einziehen werden. Es kam aber niemand an, was die Organisation der Abläufe seitens der beteiligten NGO’s ungemein erschwert. Wir wollen euch damit zeigen, dass die hier beschäftigten Freiwilligen stets improvisieren müssen, da man sich auf offizielle Stellen oftmals nicht verlassen kann und diese offensichtlich auch keinen Gedanken daran verschwenden, wie die Logistik eines Flüchtlingscamps aussehen muss damit es für alle Bewohner sicher bleibt. 

Jeden Tag essen wir in einer kleinen Raststätte zu Mittag. Zu unserem grossen Erstaunen gibt es hier einen einwandfreien Falafel. Doch dies kommt nicht von ungefähr: die Familie von Katerina, der Betreiberin des Kaffe/Kiosks, hat sich auf die neuartige Kundschaft vom Camp nebenan eingestimmt. Katerina lernt fleissig Arabisch mit Mohammed, dem jungen Mann den sie kurzerhand als Kellner eingestellt hat. Sie offeriert den Flüchtlingen WLAN und Fotokopien, sowie Rabatte auf Kaffe und Essen. Es ist eine Freude zu sehen, wie sie und auch sehr viele andere Griechen so wahnsinnig hilfsbereit und gastfreundlich auf die Flüchtlinge reagieren und sich durch sie in ihrem eigenen Leben bereichert fühlen. Obwohl Katerina uns angeboten hat, dass wir ein Video von ihr und Mohammed beim arabischen Tanz machen dürfen, haben wir uns für das Foto hier entschieden .


Wir sind immer noch in Kontakt mit den Freiwilligen in Serbien, deren Vorhaben wir mit Spenden weiterhin unterstützen. Wir möchten euch noch einmal herzlich für eure Unterstützung danken!